Cyberversicherung: So beantworten Sie den Fragebogen
Welche Fragen Cyberversicherer zu Backup, Zwei-Faktor-Anmeldung, Updates und Notfallplan stellen und wie sich ein KMU in wenigen Schritten vorbereitet.
Wer eine Cyberversicherung abschliessen will, bekommt zuerst einen Fragebogen. Darin stehen Fragen wie: «Setzen Sie Multi-Faktor-Authentifizierung für alle Fernzugriffe ein?» oder «Wann wurde der letzte Wiederherstellungstest durchgeführt?» Viele Inhaber wissen die Antwort nicht genau. Sie kreuzen «Ja» an, weil es sich richtig anfühlt.
Das ist riskant. In diesem Artikel zeigen wir, welche Fragen typischerweise kommen, was sie bedeuten und wie Sie sich vorbereiten.
Warum der Fragebogen so wichtig ist
Die Antworten im Fragebogen sind Teil Ihres Versicherungsvertrags. In der Schweiz regelt das Versicherungsvertragsgesetz (VVG), was bei falschen Angaben passiert. Vereinfacht gesagt:
- Wurde eine schriftlich gestellte Frage zu einem wichtigen Punkt falsch beantwortet, darf der Versicherer den Vertrag kündigen (Art. 6 VVG).
- Für Schäden, deren Eintritt oder Umfang durch diesen Punkt beeinflusst wurde, muss er nicht zahlen.
Ein Beispiel: Sie geben an, dass Ihre Backups getrennt vom Netzwerk aufbewahrt werden. Dann verschlüsselt ein Erpressungstrojaner Ihre Server und das Backup gleich mit. Stellt sich heraus, dass das Backup dauernd verbunden war, stehen Sie genau im Ernstfall ohne Versicherungsschutz da.
Ehrliche Antworten sind also kein Nachteil. Sie sind die Voraussetzung, dass die Versicherung im Schadenfall überhaupt zahlt.
Die typischen Fragen
Jeder Versicherer hat einen eigenen Fragebogen. Wir haben uns öffentlich zugängliche Fragebögen angeschaut. Diese Themen kommen fast immer vor:
1. Datensicherung (Backup)
- Wie oft wird gesichert? Täglich, wöchentlich?
- Ist das Backup vom Netzwerk getrennt, offline oder an einem anderen Ort?
- Ist es vor Änderung und Löschung geschützt?
- Wann wurde zuletzt getestet, ob sich die Daten wiederherstellen lassen?
Die letzte Frage überrascht viele. Ein Backup, das nie getestet wurde, ist eine Hoffnung, kein Backup. Das Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) empfiehlt ausdrücklich, das Backup nicht dauerhaft mit dem Computer verbunden zu lassen.
2. Zwei-Faktor-Anmeldung (MFA)
- Gibt es MFA für E-Mail und Cloud-Dienste wie Microsoft 365?
- Für alle Fernzugriffe, zum Beispiel VPN oder Remote Desktop?
- Für alle Administratoren?
Achten Sie auf das Wort «alle». Wenn ein einziges altes Konto ohne MFA existiert, ist die ehrliche Antwort «Nein». Darum lohnt es sich, vor dem Ausfüllen alle Konten durchzugehen.
3. Updates und veraltete Software
- Werden Sicherheitsupdates zeitnah installiert? Manche Fragebögen nennen eine Frist, etwa vier Wochen.
- Läuft noch Software, für die der Hersteller keine Updates mehr liefert, etwa ein altes Windows?
4. Virenschutz und Firewall
- Haben alle Geräte einen Virenschutz mit automatischen Updates?
- Gibt es eine Firewall? Wer betreut sie?
- Manche Versicherer fragen nach einer erweiterten Lösung, die Angriffe auf Geräten erkennt und meldet («EDR»).
5. Benutzer und Admin-Rechte
- Hat jede Person ein eigenes Konto, oder teilen sich mehrere ein Login?
- Wie viele Personen haben Admin-Rechte?
- Arbeiten Mitarbeitende im Alltag ohne Admin-Rechte?
- Wurden voreingestellte Passwörter von Router, Drucker und Telefonanlage geändert?
6. Schulung und Notfallplan
- Werden Mitarbeitende mindestens einmal pro Jahr geschult?
- Gibt es einen schriftlichen Notfallplan mit Verantwortlichen?
- Wurde er schon einmal geübt?
7. Angaben zur Firma
- Umsatz, Anzahl Mitarbeitende, Anzahl Geräte und Server
- Welche und wie viele Personendaten verarbeiten Sie?
- Gab es in den letzten Jahren Cybervorfälle?
So bereiten Sie sich vor
1. Fragebogen früh anfordern. Lassen Sie sich den Fragebogen schicken, bevor Sie über Prämien sprechen. So haben Sie Zeit für die Antworten.
2. Mit dem IT-Partner durchgehen. Viele Fragen kann nur die Person beantworten, die Ihre IT betreut. Lassen Sie sich die wichtigsten Antworten schriftlich bestätigen, etwa per E-Mail.
3. Nicht raten, sondern prüfen. Bei Zwei-Faktor-Anmeldung, Admin-Konten und alten Benutzern lohnt sich ein Blick in die Einstellungen. Das geht in Microsoft 365 und Google Workspace mit einem Lesezugriff, ohne etwas zu verändern.
4. Lücken schliessen, dann unterschreiben. Fehlt eine Massnahme, ist das kein Grund zur Panik. Zwei-Faktor-Anmeldung für alle Benutzer oder ein Backup-Test sind oft in wenigen Tagen erledigt. Danach können Sie ehrlich «Ja» ankreuzen.
5. Antworten aufbewahren. Legen Sie eine Kopie des ausgefüllten Fragebogens und die Belege ab. Bei der Erneuerung kommen dieselben Fragen wieder, und Sie sehen, was sich seither geändert hat.
6. Änderungen melden. Wechseln Sie den IT-Partner oder entfällt eine Massnahme, klären Sie mit Ihrem Versicherer oder Ihrem Broker, ob Sie das melden müssen.
Eine Versicherung ersetzt keinen Schutz
Laut einer Deloitte-Studie vom August 2026 wurden in der Schweiz 2025 rund 72’000 Cyberpolicen für Firmen abgeschlossen. Das entspricht nur 11,5 Prozent der Unternehmen mit Sitz in der Schweiz. Deloitte schreibt auch: Bei vielen KMU fehlen grundlegende Sicherheitsmassnahmen, die für den Abschluss einer Cyberversicherung nötig sind.
Das zeigt: Die Fragen im Fragebogen sind keine Schikane. Sie decken sich weitgehend mit dem, was das BACS jedem Unternehmen als Grundschutz empfiehlt. Mehr-Faktor-Anmeldung, getrennte Backups, Updates, Vorsicht bei E-Mails und sichere Passwörter schützen Ihre Firma, ob mit oder ohne Versicherung.
Wir helfen beim Fragebogen
Wir gehen den Fragebogen mit Ihnen durch, prüfen die unsicheren Punkte und sagen Ihnen, was vor dem Abschluss noch fehlt. Wir verkaufen keine Versicherungen und sind dadurch unabhängig.
- IT-Check Cloud ab CHF 1’490: prüft komplett remote mit Lesezugriff die Zwei-Faktor-Anmeldung, Admin-Konten, alte Benutzer und Freigaben in Microsoft 365 oder Google Workspace, dazu einen Fragebogen zu Backup und Geräten. Viele Fragen der Versicherung können Sie danach sicher beantworten.
- Hilfe beim Fragebogen, Backup-Test oder Prüfung vor Ort: nicht in den Paketen enthalten, nach Aufwand zu CHF 120 pro Stunde, mit Offerte vorab.
Alle Angebote finden Sie auf unserer Seite IT-Beratung und Sicherheitscheck für KMU. Was ein Sicherheitscheck genau bringt, lesen Sie in unserem Artikel IT-Sicherheitscheck für KMU: Was er kostet und was er bringt.
Hilfe beim Fragebogen anfragen
Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung. Massgebend sind Ihr Fragebogen, Ihre Police und die Allgemeinen Versicherungsbedingungen.
Quellen: Versicherungsvertragsgesetz (VVG), Art. 6, BACS: Erste Schritte für Unternehmen, Deloitte Medienmitteilung zur KMU-Cyberstudie vom 20. August 2026, Beispiele öffentlicher Fragebögen: Mannheimer Fragebogen Cyber-Risiken, Markel Cyber Pro Fragebogen. Stand: 22. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Welche Fragen stellt eine Cyberversicherung?
Fast immer geht es um Datensicherung, Zwei-Faktor-Anmeldung, Updates, Virenschutz, Admin-Rechte, Schulung der Mitarbeitenden und einen Notfallplan. Dazu kommen Angaben zur Firma wie Umsatz, Anzahl Mitarbeitende und frühere Vorfälle. Die genauen Fragen unterscheiden sich je nach Versicherer.
Was passiert, wenn ich eine Frage falsch beantworte?
Nach dem Schweizer Versicherungsvertragsgesetz (Art. 6 VVG) kann der Versicherer den Vertrag kündigen, wenn eine schriftlich gestellte Frage zu einer wichtigen Gefahrstatsache falsch beantwortet wurde. Für Schäden, die durch diesen Punkt beeinflusst wurden, muss er dann nicht zahlen. Genau im Ernstfall stehen Sie also ohne Schutz da.
Was tue ich, wenn ich eine Frage nicht sicher beantworten kann?
Nicht raten. Fragen Sie Ihren IT-Partner und lassen Sie sich die Antwort schriftlich bestätigen, oder lassen Sie den Punkt prüfen. Wenn eine Massnahme fehlt, schreiben Sie das ehrlich hin und setzen sie so rasch wie möglich um. Viele Punkte lassen sich in wenigen Tagen erledigen.
Hilft ein Sicherheitscheck beim Fragebogen?
Ja. Ein Check zeigt schwarz auf weiss, was bei Ihnen umgesetzt ist und was nicht. Mit dem Bericht beantworten Sie viele Fragen sicher. Unser IT-Check Cloud ab CHF 1'490 prüft zum Beispiel remote, ob alle Benutzer in Microsoft 365 oder Google Workspace eine Zwei-Faktor-Anmeldung haben.
Helfen Sie beim Ausfüllen?
Ja. Wir gehen den Fragebogen mit Ihnen durch, klären offene Punkte mit Ihrem IT-Partner und sagen Ihnen, was vor dem Abschluss noch umgesetzt werden sollte. Das rechnen wir nach Aufwand ab, zu CHF 120 pro Stunde. Wir verkaufen keine Versicherungen und sind dadurch unabhängig.
Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2026